Vollständige Version anzeigen: Dialer-Bande muss ins Gefängnis

Roland
Im bislang größten Prozess um Internetkriminalität in Deutschland hat das Osnabrücker Landgericht mehrjährige Haftstrafen verhängt. Die beiden Angeklagten wurden im so genannten Autodialer-Prozess wegen bandenmäßigen Betrugs und Computerbetrugs zu vier Jahren Haft sowie drei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Über 100.000 Surfer seien geschädigt worden und ein Schaden von mindestens zwölf Millionen Euro entstanden.

40 Euro pro Einwahl
Nach Überzeugung des Gerichts hatten die 31 und 35 Jahre alten Angeklagten von Juli 2002 bis September 2003 illegale Einwahlprogramme auf Pornoseiten im Internet versteckt. Ohne Warnhinweise an die Surfer hätten die Programme die regulären Internetzugänge gekappt und Verbindungen über teuere 0190-Nummern aufgebaut. Dabei seien teilweise Kosten von mehr als 40 Euro pro Einwahl fällig gewesen – plus saftiger Minutenpreise von 95 Cent oder höher.

Geldgier als Motiv

Die Verurteilten verwendeten zwar zunächst über von ihnen gegründete Firmen legale Einwahlprogramme. Diese seien dann aber aus Geldgier durch illegale Autodialer ersetzt worden, erklärte der Vorsitzende Richter Dieter Temming in seiner Urteilsbegründung. Diese Programme wurden so manipuliert, dass Internetnutzer nicht über die zum Teil erheblichen Einwahlkosten informiert wurden. Zugleich wurden Spuren der Autodialer auf den Rechnern vertuscht.

"Es hat etwas von Heimtücke"
Unter anderem wurden die Modemtöne ausgeschaltet, die Dialer mit Verzögerung ein- und ausgeschaltet oder die Benutzeroberfläche des Dialers in einem zweiten Fenster mit einer Größe von Null mal Null Pixeln dargestellt – für den Surfer unsichtbar. Die Sicherheitsvorkehrungen der Rechner seien ausgehebelt, planmäßig geheime Dateien installiert und auch wieder gelöscht worden, betonte Temming: "Es hat etwas von Heimtücke."

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