Vollständige Version anzeigen: Todesurteil bestätigt: Saddam Hussein wird gehängt

Roland
Bagdad (dpa) - Ein irakisches Berufungsgericht hat die Todesurteile gegen den früheren irakischen Machthaber Saddam Hussein und zwei seiner Gefolgsleute bestätigt. Das Urteil wird nun innerhalb von 30 Tagen vollstreckt.



Das erklärte der Vorsitzende Richter des Berufungsgerichts, Munir Haddad, am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Bagdad. Eine neue Berufung gegen das Urteil ist nach irakischem Recht nicht möglich.

Das Sondertribunal für die Verbrechen des alten Regimes in Bagdad hatte Saddam, seinen Halbbruder Barsan al-Tikriti und den früheren Richter Awad al-Bandar am 5. November wegen der Ermordung von 148 angeblichen Verschwörern in der schiitischen Kleinstadt Dudschail 1982 zum Tode durch den Strang verurteilt. Die Verteidigung hatte vier Wochen später Berufung gegen das Urteil eingelegt.

Ein Termin für die Vollstreckung der Todesurteile war am Dienstagabend noch nicht bekannt. Gegen den 69-jährigen Saddam läuft ein zweiter Prozess wegen Völkermordes an den Kurden, der jetzt höchstwahrscheinlich nicht mehr abgeschlossen werden kann. Dabei geht es um die so genannte Anfal-Militärkampagne, bei der 1987 und 1988 bis zu 100 000 Kurden ums Leben gekommen waren. Weitere Anklagen gegen Saddam und andere Funktionäre sind noch anhängig. Saddam hatte ein Vierteljahrhundert im Irak mit brutaler Hand geherrscht, bis er durch die US-geführte Militärinvasion im April 2003 gestürzt wurde.

Unterdessen ging die Welle der Gewalt im Irak weiter. Allein bei zwei Autobombenanschlägen in Bagdad starben am Dienstag 30 Menschen. Eine Bombe in einem sunnitischen Viertel in der Nähe der Abu-Hanifa-Moschee tötete nach Polizeiangaben 15 Iraker und verletzte 30. Zuvor waren in einer belebten Einkaufsstraße im Südwesten der Hauptstadt 15 Menschen gestorben, als zunächst drei Autobomben explodierten und anschließend Unbekannte die Menschen mit Mörsergranaten beschossen. 55 Menschen wurden verletzt.

In einem turkmenischen Wohnviertel der nordirakischen Großstadt Kirkuk wurden nach Angaben der Behörden drei Schüler getötet und sechs weitere verletzt, als vor ihrer Schule ein Sprengsatz explodierte.
Roland
Saddam Husseins Ende rückt näher

Die Hinweise auf eine baldige Hinrichtung des irakischen Ex-Diktators Saddam Hussein haben sich am Freitagabend massiv verdichtet. Allerdings gab es widersprüchliche Angaben über den genauen Zeitpunkt. Mehrere irakische Quellen sprachen von einer Hinrichtung an diesem Samstag bei Tagesanbruch. Offizielle Angaben gab es nicht. Vertreter der irakischen Regierung und der USA sollen am Abend zwei Stunden lang über die Vollstreckung des Todesurteils beraten haben.

Frist verstrichen
Ein Richter in Bagdad hatte einen noch früheren Termin für die Hinrichtung genannt. Der Berufungsrichter Munir Haddad hatte angekündigt, dass Saddam binnen der nächsten Stunde gehängt werde. Die Frist verstrich, ohne dass etwas passierte. Der Termin Samstag früh hingegen wurde viel häufiger genannt.


Spätestens bis 10 Uhr MEZ?
Der von den US-Behörden finanzierte Sender Al-Hurra meldete unter Berufung auf einen Regierungsvertreter, der 69-Jährige solle bei Tagesanbruch hingerichtet werden. Auch einer von Saddams Anwälten, Nadschi al-Nuaimi, sagte nach Angaben des Rundfunksenders "Radio Sawaa", der Ex-Diktator solle zu diesem Zeitpunkt gehängt werden. Der Abgeordnete Baha al-Aradschi sagte dem irakischen Staatsfernsehen "al-Irakia", er erwarte eine Hinrichtung bis Samstagmittag 12 Uhr Ortszeit (10 Uhr MEZ).


Anwalt will Überstellung stoppen
Saddams italienischer Anwalt Giovanni Di Stefano sagte CNN, er sei von der US-Armee informiert worden, dass der Todeskandidat sehr bald sterben werde. Er habe einen Antrag gestellt, die Überstellung Saddams zu stoppen, weil es gegen den Ex-Diktator noch eine Klage vor einem US-Gericht gebe.


Schon überstellt oder noch nicht?
Unklar ist auch, ob Saddam bereits den irakischen Behörden übergeben wurde. Dies galt als Voraussetzung für die Vollstreckung des Todesurteils. Während die Anwälte des Ex- Diktators zunächst berichteten, ihr Mandant sei bereits überstellt, wurde dies von offiziellen Stellen dementiert.


Noch vor dem Opferfest?
Die irakische Verfassung verbietet Hinrichtungen während islamischer Feiertage. Das Opferfest beginnt am Samstag. Es ist das zweitwichtigste Fest im Islam und dauert vier Tage. Es war allerdings nie offiziell angekündigt worden, dass die Hinrichtung für diese Zeit ausgesetzt würde. Das Todesurteil gegen Saddam Hussein war vor drei Tagen bestätigt worden. Nach irakischem Recht muss es binnen 30 Tagen vollstreckt werden.



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Anwälte sollen persönliche Dinge abholen
Die USA annullierten derweil ein für Samstag geplantes Treffen der Verteidiger des Todeskandidaten und forderten sie auf, seine persönlichen Dinge aus dem Gefängnis abzuholen. Saddam stand seit seiner Entdeckung in einem Erdloch Ende 2003 unter amerikanischer Bewachung.


Maliki: Es gibt kein Zurück mehr
Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki erklärte in Bagdad, es gebe keinen Weg zurück mehr. Saddam werde hingerichtet. Dagegen warnte die UN-Kommissarin für Menschenrechte, Louise Arbour, die irakischen Behörden wegen der rechtlich umstrittenen Grundlagen des Verfahrens vor einem schnellen Vollzug des Todesurteils. Nach irakischem Recht muss ein Todesurteil 30 Tage nach Bestätigung vollstreckt werden.


Noch mehr Gewalt befürchtet
Der jemenitische Ministerpräsident, Abdelkadir Ba Dschammal, appellierte an US-Präsident George W. Busch und das irakische Staatsoberhaupt Dschalal Talabani, Saddams Hinrichtung zu verhindern. Die Vollstreckung des Todesurteils werde zur Zunahme der Gewalt im Irak führen und "negative Auswirkungen" für die USA in der Region haben, schrieb der jemenitische Regierungschef laut der Agentur SABA.


Urteil vor drei Tagen bestätigt
Das Sondertribunal für die Verbrechen des alten Regimes in Bagdad hatte Saddam am 5. November wegen der Ermordung von 148 angeblichen Verschwörern in der schiitischen Kleinstadt Dudschail 1982 zum Tode durch den Strang verurteilt. Am vergangenen Dienstag hatte ein Berufungsgericht die Todesurteile bestätigt.

Quelle
Alex
Und nun ist er Tod.

Ob das der richtige Weg gewesen ist?
Ich glaube kaum den Gewalt gegen Gewalt erzeugt meist nur mehr Gewalt!
Roland
Saddam Hussein ist am Samstagmorgen in Bagdad hingerichtet worden. Der frühere irakische Diktator wurde kurz vor 4 Uhr gehängt. Augenzeugen berichten, in seinen letzten Minuten sei der 69-Jährige gefasst gewesen. Er "schritt ruhig zum Galgen, ohne ein Wort, entschlossen und mutig", beschrieb der irakische Sicherheitsberater Muaffak al-Rubai die Hinrichtung in einem früheren Folterzentrum des Despoten. Saddam sei binnen Sekunden gestorben, ohne sich zu wehren. Wie eine Herausforderung klangen seine letzten Worte: "Ich habe vor niemandem Angst."



Den Koran in der Hand
Saddam trug ein weißes Hemd und einen schwarzen Anzug. Ein Richter verlas nochmals das Todesurteil, dann fragte ein anderer Richter den Verurteilten, ob er noch etwas sagen wolle. Dieser habe einen Koran in der Hand gehabt, den er jemandem habe übersenden wollen, sagte Rubai. Der Name des Empfängers sei notiert worden, und jemand habe Saddam versprochen, das heilige Buch weiterzuleiten. Dann habe er den Kopf zu ihm gedreht, "als ob er mir sagen wolle: 'Hab keine Angst'", berichtete der Sicherheitsberater. Es sei seltsam gewesen. Saddam habe wie ein "gebrochener Mann gewirkt", aber keine Reue gezeigt, berichtete Rubai.

Saddam wollte keine Kapuze
Zwei der Henker in Zivil legten ihm eine Schlinge um den Hals. Der Ex-Präsident wollte sich keine Kapuze überstülpen lassen. Einen kurzen Moment gab es einen Wortwechsel, bis die Henker einwilligten, sagte Rubai. Seine letzten Worte richtete Saddam Hussein laut Richter Munir Haddad an das irakische Volk: "Ich hoffe, dass Ihr geeint bleiben werdet und ich warne Euch, vertraut der iranischen Koalition (der schiitischen Regierung) nicht, diese Leute sind gefährlich. Ich habe vor niemandem Angst." Danach öffnete sich die Falltür und sein Körper fiel in die Tiefe.

Amerikaner waren nicht anwesend
Anwesend waren noch ein Mitarbeiter des irakischen Regierungschefs Nuri al-Maliki, einige Abgeordnete und Minister sowie ein Arzt. Es sei "zu hundert Prozent ein irakischer Vorgang" gewesen, betonte Rubai. "Nur Iraker waren da, keine Ausländer. Die Amerikaner sind der Hinrichtung fern geblieben, kein Amerikaner war präsent."

Privater Sender zeigt Leiche
Das irakische Fernsehen übertrug den letzten Gang Saddams zeitversetzt am Vormittag. Die Hinrichtung selbst wurde nicht gezeigt. Ein privater schiitischer Sender strahlte allerdings später Bilder vom Leichnam Saddam Husseins aus, der in ein weißes Leichentuch gehüllt war. Zu sehen war der Kopf, der nach dem Genickbruch durch den Strang nach rechts geneigt war.

Beisetzung in anonymem Grab?
Was mit den sterblichen Überresten geschieht, ist noch unklar. Saddams Anwalt Curtis Doebbler sagte dem US-Sender CNN, die irakische Regierung wolle den Leichnam Saddams nicht der Familie übergeben, sondern in einem anonymen Grab beisetzen. Dagegen forderte eine Tochter Saddams die vorübergehende Beisetzung im Jemen. Wenn es die politischen Verhältnisse erlauben, solle ihr Vater dann später im Irak seine letzte Ruhe finden.

Hinrichtungen von Getreuen verschoben
Entgegen anders lautender Berichte fand die erwartete Hinrichtung seines Halbbruders und eines ebenfalls wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit verurteilten Ex-Richters noch nicht statt. Der arabische Sender Al-Arabija hatte zuvor ihre Hinrichtung vermeldet.

Massaker an Schiiten
Saddam, sein Halbbruder Al-Tikriti und der frühere Richter Al-Bandar waren am 5. November wegen des Massakers in dem schiitischen Ort Dudschail im Juli 1982 an 148 angeblichen Verschwörern zum Tode durch den Strang verurteilt worden. Ein Berufungsgericht hatte das Urteil am Dienstag bestätigt.

Quelle
Shadow_Sleeper
Zitat:
Original von Alex
Und nun ist er Tod.

Ob das der richtige Weg gewesen ist?
Ich glaube kaum den Gewalt gegen Gewalt erzeugt meist nur mehr Gewalt!


Nun, ich vermute mal, dass radikale Gegner und radikale Anhänger von Saddam Hussein sich erstmal gegenseitig bekriegen werden. Danach werden wohl eh wieder die Amis die Sache ausbaden dürfen (Und deren Verbündete natürlich). Am Meisten trifft es vermutlich aber eh die Zivilbevölkerung und zwar nicht nur durch die Terroristen, sondern auch durch die darauf folgenden Angriffe der Amis. (Wie immer eben)
Mal schauen ob jetzt nicht erst recht die Schiiten Opfer der radikalen Gruppierungen werden. Sozusagen als Vergeltung für Saddams Tod, der ja für seine Verbrechen an den Schiiten gehängt wurde. Sieht hier jemand den Teufelskreis, der da in Gang kommen könnte? Ich vermute doch mal, dass das jedem schnell klar wird.