Vollständige Version anzeigen: 22 Millionen Kreditkarten überprüft

Roland
Im Kampf gegen Kinderpornographie haben Ermittlungsbehörden erstmals sämtliche Kreditkarten Deutschlands auf verdächtige Zahlungen überprüft.

Spektakulärer Schlag gegen Kinderpornografie im Internet: Fahnder aus Sachsen-Anhalt ließen Hunderte Wohnungen und Geschäftsräume im Bundesgebiet durchsuchen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wurden zuvor erstmals wohl sämtliche Kreditkarten Deutschlands überprüft: mehr als 22 Millionen.



Strafanzeige aus der Bevölkerung
Die Ermittler um Oberstaatsanwalt Peter Vogt hatten zunächst offenbar wenig in der Hand. Eine Strafanzeige aus der Bevölkerung führte die Fahnder der Zentralstelle gegen Kinderpornografie in Halle zu einer einschlägigen Seite im Internet, doch Kunden und Hintermänner blieben zunächst im Dunkeln. Um zumindest die Konsumenten des illegalen Angebots ermitteln zu können, griffen Staatsanwaltschaft und Beamte des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt nach Informationen von SPIEGEL ONLINE zu einer bisher beispiellosen Maßnahme.

Karteninstitute willigten ein
Offenbar ließen sie den Zahlungsverkehr aller deutschen Kreditkartenbesitzer daraufhin überprüfen, ob eine bestimmte Summe in einem festgelegten Zeitraum auf ein verdächtiges Konto im Ausland überwiesen worden ist. Sämtliche um Auskunft ersuchten Unternehmen der Kreditkartenwirtschaft kooperierten offenbar mit den Ermittlern und gaben die Daten ihrer verdächtigen Kunden preis.

"Ein Novum"

Die Überprüfung einzelner Kreditkartendaten ist beim Kampf gegen die Verbreitung von Kinderpornografie im Internet Standard. "Dass die Kollegen jedoch bundesweit sämtliche Kreditkarten in die Ermittlungen einbezogen haben, ist ein Novum", wie ein erfahrener Ermittler sagt.
Über 300 Beschuldigte
Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE führte die Operation "Mikado" bisher zu 322 Beschuldigten in Deutschland, deren Wohnungen und Geschäftsräume seit September durchsucht wurden. An der Aktion waren die Landeskriminalämter aller Bundesländer beteiligt. Die Beschuldigten müssen nun nicht nur mit Strafverfahren rechnen, sondern nach den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Kreditkartenwirtschaft auch mit dem Verlust ihres Zahlungsmittels.

Fahndungserfolg
Oberstaatsanwalt Vogt und der LKA-Fahnder Torsten Kobow hatten bereits im Jahr 2003 mit der Operation "Marcy", einem weltweiten Schlag gegen das Multimillionengeschäft Kinderpornografie, für Aufsehen gesorgt. Ein Magdeburger hatte kinderpornografische Dateien im Internet angeboten und die Daten seiner Kunden auf seiner Festplatte gespeichert. Die Auswertung des beschlagnahmten Computers führte das Ermittler-Duo seinerzeit zu 26.000 Verdächtigen in 166 Ländern, darunter auch im Vatikan und der Antarktis.

Details folgen
Bisher schweigen die Hallenser Ermittler, morgen allerdings wollen Justizministerin Angela Kolb und Innenminister Holger Hövelmann die Öffentlichkeit auf einer Pressekonferenz über Details der Operation "Mikado" informieren.

Quelle
UmJuergen
Mal ganz ehrlich ich hab selbst ein Kind und bin absolut dafür das solchen Schweinen das Handwerk gelegt wird aber sind wir auf dem Weg zum gläsernen Bürger nicht schon wieder einen Schritt weiter ???

Sämtliche Kreditkarten der Republik zu prüfen um "gewisse Beträge" festzustellen die ins Ausland gegangen sind ist Schlichtweg eine eklatante Verletzung des Datenschutzes.

Auch die beteiligten Kreditinstitute hätten besser daran getan das zu unterlassen. Die Vertrauenswürdigkeit gegenüber dem Staat ist doch bereits weit genug im Keller. Da drohen Rollstuhlfahrer mit Trojanerattacken, hässliche Frauen erhöhen die Mehrwertsteuer und was sonst noch im Anmarsch ist möchte ich garnicht dran denken.

Bei konkretem Verdacht sehe ich ein das Bankdaten, Post und Telefone überwacht werden. Aber da hörts auch schon auf. Weiss jemand was mit den Daten der 21.999.678 anderen Bürger passiert ??? Vielleicht eine Abbuchung von Usenext drauf oder sonst einem Usenetanbieter ?? Rapidshare gefällig ??? Liegt alles blank....

Nee nee irgendwo hört der Spass auf......... m-meinung

cu verwirrt
wulfgard
Ich sehe das genauso wie UmJuergen. Das ist der eklatanteste Missbrauch des Datenschutzgesetzes den es bisher in der BRD gegeben hat. Ich würde sogar meinen Kreditkartenbetreiber verklagen und Strafantrag stellen in allen möglichen Straftatbeständen. Der Zweck heiligt in diesem Fall meines Erachtens nicht die Mittel. Will man dieser Brut Herr werden, dürfte dies sehr einfach sein. Einfach selbst nen entsprechenden Server ins Netz gestellt und schon laufen die Typen den Ermittlungsbehörden die Bude ein. Derzeit sieht es danach aus als wenn man zwar wieder die Kleinen hat, aber die wirklichen Hintermänner nicht bekommen würde, weil sich die elektronische Spur in Thailand verliert. Aber zumindest hat man mal die Daten aller 22 Millionen Kreditkartennehmer erfaßt. Ich glaube langsam ich schaffe Computer, Telefon, Bankkonto, etc. ab.

PS: Und über eines kann man sich sicher sein. Da BKA und alle LKA daran beteiligt waren, werden diese Daten nicht weggeworfen werden.
Cent_1
Zitat:
Einfach selbst nen entsprechenden Server ins Netz gestellt und schon laufen die Typen den Ermittlungsbehörden die Bude ein

Was aber eine Verleitung zu einer Straftat wäre...
wulfgard
Das ist diese Aktion meiner Meinung nach aber auch.
Paulemann
Zitat:
Original von wulfgard
PS: Und über eines kann man sich sicher sein. Da BKA und alle LKA daran beteiligt waren, werden diese Daten nicht weggeworfen werden.

Darauf kannst du Gift nehmen, dass es so ist!
Zweck heilig die Mittel… aber langsam schert sich niemand mehr um die Grundrechte.

Eines möchte ich noch loswerden… Herrn Schäuble als Innenminister zu ernennen, war/ist doch ein Widerspruch in sich. Ein Mensch, auf dem mal ein Anschlag verübt wurde, kann einfach nicht unvorbelastet an die Sache rangehen. Es ist ein trauriges Schicksal was ihm widerfahren ist, aber unbeachtet dessen, kann so ein Mensch einfach nicht das vergessen, was ihm passiert ist und in jedem einen potenziellen Täter sieht.
… und genauso läuft es bei uns ab, im Grunde werden wir alle erstmal als Täter angesehen, bis die Unschuld bewiesen ist… irgendwie beängstigend nicht?
Von seinen zahlreichen „Vorschlägen“ ganz zu schweigen…

Gruß
Paule
Roland
Die Massenüberprüfung von Kreditkarten im Rahmen des jüngsten Ermittlungserfolgs gegen Kinderpornographie hat ein juristisches Nachspiel: Beim Amtsgericht Halle gingen drei Anträge auf Prüfung der Ermittlungsmethode ein. Dies teilete ein Gerichtssprecher mit. Der zuständige Richter werde nun die Staatsanwaltschaft um Stellungnahme bitten und dann eine Entscheidung verkünden. Es sei noch offen, wann dies der Fall sein werde.

Die Staatsanwaltschaft Halle war für die Ermittlungen in dem Fall verantwortlich. Mehrere Datenschützer hatten die Prüfung der Kreditkarten bereits als zulässig eingestuft.

Hintergrund

Der Schlag gegen die Kinderpornographie war den Ermittlern in Sachsen-Anhalt durch eine bislang einmalige Zusammenarbeit mit Kredikartenunternehmen gelungen. Dafür war der Zahlungsverkehr aller Kredikartenbesitzer in Deutschland auf Daten wie Summe und Zeitpunkt von Zahlungen überprüft worden, um die Nutzer einer Website mit kinderpornographischem Inhalt ausfindig zu machen. Dabei wurden mehr als 300 Verdächtige ermittelt, von denen ein Großteil ein Geständnis ablegte.

Quelle